Shunga - erotische Kunst aus Japan: Schönheiten und Liebe in japanischen Holzschnitten. Perlen der Morgenröte. Ukiyo-e

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Sammlungs-Auflösung: Antiquarische Bücher aus privater Hand:
Shunga - erotische Kunst aus Japan:
Schönheiten und Liebe in japanischen Holzschnitten aus zwei Jahrhunderten
"Perlen der Morgenröte", die japanische Holzschnittkunst ukiyo-e
95 Seiten, 80 Abbildungen (1 Bild = 1 Seite !), Größe ca. 21 x 15 cm
Das Buch entführt uns in die zauberhafte Welt der sehr hoch geschätzten Kurtisanen, geisha, meiko und gekko, der Liebeskunst und der käuflichen Liebe, die - im Gegensatz zu unserer Kultur - in Japan schon immer einen hohen gesellschaftlichen Rang besaß.
Schon die Einleitung gibt uns eine gute Beschreibung der japanischen Sichtweise der Erotik, die sich in natürlicher und unbefangener Hingabe für die Schönheit, die Körperlichkeit aber auch für schöne fließende und die Anmut unterstreichende Seidenstoffe zeigt.
Dieses kleine Buch ist nicht nur eine gute Einführung in die erotische Kunst  der shunga („Frühlingsbilder“), es gibt auch eine gute Auswahl von allen bekannten Künstlern der japanischen Holzschnittkunst ukiyo-e.
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19,80 Euo (BRD), EU: 21,00 Euro mit Versand !.
Hinweis: Die Abbildungen von Seite 06-29, 48,49, 50, 61, 62/63, 66/67, 70/71, 77
können aus Gründen des Jugendschutzes hier nicht abgebildet werden !
Alle anderen sind undeutlich wiedergegeben.
Bitte haben Sie dafür Verständnis !.

Seite 0
Freudenhaus
in Yoshiwara

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"Libende"
Moronobu

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m Freudenhaus
in Yoshiwara

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"Libende"
Moronobu

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Im Freudenhaus
in Yoshiwara
.Hinweis: Die Abbildungen von Seite 06-29 des großen Holzschnitt-Meisters Hishikawa Moronobu können aus Gründen des Jugendschutzes hier nicht abgebildet werden !
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Die 80 Abbildungen stammen von:
Hishikawa Moronobu (1618-1695)
Sugimura Jihei (Die Lebensdaten sind unbekannt)
Myagawa Choshun (1683-1753)
Torii Kiyomitsu (1734-1785)
Suzuki Haronobu (um 1725-1770)
Isoda Koryusai (tätig ca. zwischen 1765 und 1784)
Suzuki Harushige (1738-1818)
Utagawa Toyoharu (1735-1814)
Katsukawa Shuncho (tätig ca. von 1780 bis 1794)
Kitagawa Utamaro (1753-1806)
Chokosai Eisho (tätig zwischen 1789 und 1800)
Utagawa Toyokuni (1769-1825)
Kikugawa Eizan (1787-1867)
Kuniyasu (1794-1832)
Utagawa Kunisada (1786-1864)
Utagawa Kuniyoshi (1797-1861)
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19,80 Euo (BRD), EU: 21,00 Euro mit Versand !.
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Hishikawa Moronobu (1618-1695) gilt als der früheste Meister der Ukiyo-Holzschnittkunst
Diese Abbildungen stammen ursprünglich aus einem erotischen Album mit dem Titel "Vergnügungen der Liebe" aus dem Jahre 1683. Holzschnittbücher dieser Art werden als "shunga" ("Frühlingsbilder" oder "Belder des Frühlings") bezeichnet. Typisch ist, daß sich die Liebesszenen ganz ungezwungen vor Zuschauern abspielen, schließlich waren diese Bilder auch ein Mittel der natürlichen Sexualerziehung von jungen Frauen und Männern. (In Europa gelten solche Darstellungen als "erotisch" bzw. "pornografisch")
Seite 05 Unterhaltungen im Freudenhaus, um 1680, Schwarzweißdruck, 1.4 Szene im Yoshiwara, um 1675
Blatt aus einer gleichnamigen Serie von 12 Schwarzweißholzschnitten
Die Holzschnitte "Liebende" wurden um 1682 i im traditionellen Schwarzweißdruck ausgeführt..
Sugimura Jihei (Lebensdaten unbekannt)
2.1 Aufdringliche Liebe, um 1680
Vermutlich aus einer Serie von 12 erotischen, teilweise kolorierten Holzschnitten
Myagawa Choshun (1683-1753)
3.1 Prozession der Kurtisanen, 1730
Ausschnitt aus einer Querrolle. Farbe auf Seide, mit braungoldenem Hintergrund. Die Bedeutung der Kurtisanen wird mit dem unterschiedlichen Größenverhältnis der Gestalten hervorgehoben.
Torii Kiyomitsu (1734-1785)
4.1 Im Badehaus, um 1760
Zweifarbendruck. Das Mädchen entleert einen Beutel mit Reiskleie, die zum Säubern benutzt wurde.
Suzuki Haronobu (um 1725-1770)
Harunobu war der erste große Künstler des polychromen Holzschnitts.
5.1 Paar im Freudenhaus, zwischen 1765 und 1770
Mehrfarbendruck
5.2 Mädchen mit Shamisen, 1770
Mehrfarbendruck aus dem Buch "Vergleich der Schönheiten des Grünen Hauses". Dargestellt ist Shiratama, eine der begehrtesten Kurtisanen des Tama-ya (Haus der Juwelen). Das Shamisen ist ein dreisaitiges, in der Regel mit Katzenfell bespanntes Musikinstrument.
5.3 Brieflesende Schönheiten, um 1765
Mehrfarbendruck
Isoda Koryusai (tätig ca. zwischen 1765 und 1784)
6.1 Mann und Frau unter Kirschblüten
Dreifarbendruck. Kirschblüten als Symbol des Frühlings werden in Japan besonders verehrt.
6.2 Damen beim Brettspiel, um 1775
Mehrfarbendruck. Aus der Serie "Neue Moden für junge Damen". Der Künstler schuf eine Vielzahl von Modebildern, auf denen führende
Kurtisanen dargestellt sind. Hier die Kurtisane Mandaya mit ihren Dienerinnen.
6.3 Sommerabend, um 1770
Mehrfarbendruck. Wahrscheinlich aus einer Serie von vier Drucken, die die Jahreszeiten symbolisieren.
Suzuki Harushige (1738-1818)
7.1 Kurtisane mit Dienerinnen bei häuslichen Beschäftigungen, um 1770
Mehrfarbendruck. Aus der Serie "Die sieben Komachi"
7.2 Mädchen auf den Stufen eines Tempels, um 1770
Mehrfarbendruck
Utagawa Toyoharu (1735-1814)
8.1 Beim Mondschein (Kalenderblatt), um 1770
Dargestellt ist Tsukimi, das Fest der Mondbetrachtung. Mehrfarbendruck
Kitao Shigemasa (1739-1820) zugeschrieben
9.1 Geisha mit Dienerin auf dem Weg zum Teehaus, um 1770
Mehrfarbendruck. Die Dienerin trägt den Kasten mit dem Shamisen.
Katsukawa Shuncho (tätig ca. von 1780 bis 1794)
10.1 Porträt der Kurtisane Hanaogi aus dem Ogi-ya (Haus des Fächers), um 1794
Mehrfarbendruck. Die Dargestellte trägt am Gewand und an der Haarnadel das Emblem des berühmten Freudenhauses in Edo: drei Fächer in einem Kreis.
Drei Motive mit Liebespaar, um 1785, Mehrfarbendruck. Beim letzten befinden sich Auf dem Gewand der Frau und der vor ihr stehenden Kopfstütze Ginkgo-Blüten-Motive
Kitagawa Utamaro (1753-1806)
Utamaro, der seine Themen fast ausschließlich im Yoshiwara (dem Freudenviertel von Edo) fand, war der genialste Darsteller erotischer
Szenen und der weiblichen Psyche innerhalb der japanischen Holzschnittkunst.
Liebespaar unter einem Baum, sowie ein weiteres Liebespaar, 1788
Mehrfarbendruck. Beide aus dem "Utamakura" (Kopfkissen-Poem), dem berühmtesten erotischen Holzschnittbuch des Künstlers. Bei dem zweiten Motiv ist eine Eifersuchtsszene dargestellt. Die Frau hat den Liebesbrief einer Rivalin entdeckt und ist sehr erregt, worauf u. a. die bei Frauendarstellungen sonst unübliche, unordentliche Haarfrisur hinweist.
Außerdem auf der Utamara-Seite: 6 Doppelseiten aus "Schatzkammer der Liebe", einem erotischen Liebeslehrbuch, 1800 Mehrfarbendrucke
11.1 Sommer, um 1780
Mehrfarbendruck. Aus der Serie "Die Freuden der vier Jahreszeiten"
11.2 Der entdeckte Liebesbrief, zwischen 1790 und 1800
Mehrfarbendruck. Aus der Serie "Erzählungen über Wolken in später Nacht"
11.3 Toilettenszene, um 1790
Mehrfarbendruck. Eine Schöne pudert sich den Nacken. Bei der Einschätzung der Schönheit einer Japanerin spielte die Eleganz der Nackenlinie eine wichtige Rolle.
11.4 Nachdenkliche Liebe, um 1790
Mehrfarbendruck. Aus der Serie "Ausgewählte Gedichte zum Thema Liebe"
11.5 Zwei sitzende Frauen, um 1793
Mehrfarbendruck. Aus der Serie "Die sechs Kristall-Flüsse"
11.6 Mädchen beim Schminken, um 1793
Mehrfarbendruck
11.7 Schöne vor dem Spiegel, um 1793
Mehrfarbendruck. Aus einer Serie von Kurtisanenbildnissen
11.8 Freudenhaus im Yoshiwara, 1804
Mehrfarbendruck. Aus dem "Buch der Ereignisse, die sich während eines Jahres in den Grünen Häusern zutragen".
11.9 Selbstbildnis des Künstlers im Kreise eleganter Kurtisanen, um 1800
Mehrfarbendruck. Der mit einer vornehmen Seidenrobe bekleidete Künstler läßt sich von schönen Frauen bedienen.
Eishosai Choki (tätig von 1770 bis Anfang des 19.Jh.)
12.1 Bildnis der Kurtisane Tsukasa aus Osaka, um 1790
Mehrfarbendruck
Chokosai Eisho (tätig zwischen 1789 und 1800)
13.1 Die Kurtisane Hanando, um 1794
Mehrfarbendruck. Aus einer Serie mit Bildnissen berühmter Kurtisanen
13.2 Die Kurtisane Kasugano, 1795
Mehrfarbendruck. Aus einer Serie mit Bildnissen berühmter Kurtisanen
Liebespaar (Kurtisane mit einem holländischen Beamten), um 1797
Mehrfarbendruck. Während der zweihundertjährigen Isolierung Japans von der Außenwelt durften sich nur wenige ausländische Kaufleute im Lande aufhalten. Auf einer kleinen Insel bei Nagasaki lebten u.a. Holländer, die bei der "Niederländisch-Ostindischen Handelsgesellschaft" angestellt waren. In diesem Blatt - eine Kuriosität unter den Shunga-Bildern - wird die Andersartigkeit des Ausländers karikiert.
Utagawa Toyokuni (1769-1825)
14.1 Die Schöne und Winterpflaumenblüten, zwischen 1785 und 1794. Rechter Teil eines Triptychons
Mehrfarbendruck. Die Blüten des ostasiatischen Pflaumenbaumes erscheinen als erste Boten des Frühlings bereits im Januar oder Februar; sie gelten auch als Symbol der Tapferkeit.
Kikugawa Eizan (1787-1867)
15.1 Frau auf einer Brücke im Schnee, Anfang des 19.Jh.
Mehrfarbendruck. Aus der Serie "Modische Darstellungen von Schnee, Mond und Blüten an verschiedenen Stätten"
Kuniyasu (1794-1832)
16.1 Mädchen mit Shamisen, um 1830
Mehrfarbendruck
Utagawa Kunisada (1786-1864)
17.1 Kurtisane beim Lampenlöschen, um 1810
Mehrfarbendruck. Aus der Serie "Die Sitten des vergehenden Jahres"
Utagawa Kuniyoshi (1797-1861)
18.1 Kurtisane bei der Toilette, 1837
Mehrfarbendruck. Einleitungsblatt zu einem Shunga-Buch
Utagawa Kuniyoshi (?)
18.2 Porträt einer Kurtisane, um 1840
Einleitungsblatt eines erotischen Albums. Mehrfarbendruck

Ursula Horn, die Autorin des Buches, eine ausgezeichnet gute Kennerin der japaischen Kunst und selbst eine Liebhaberin der japanischen Holzschnittkust schrieb zu diesem BucH.
Ukiyo-e - "Bider der vergänglichen Welt":
Als japanische Holzschnitte auf den Weltausstellungen 1862 in London und 1867 in Paris gezeigt und damit nach der mehr als zweihundertjährigen Selbstisolierung des fernöstlichen Inselreiches erstmals breiten Kreisen zugänglich wurden, war das eine Sensation. Sie lösten nicht nur eine euphorische Sammelleidenschaft und Reiselust aus, sondern wirkten vor allem auf nach neuen Wegen suchende europäische Künstler wie eine Offenbarung und beeinflußten wesentlich das künstlerische Schaffen vom Impressionismus bis zum Jugendstil. An den Japanblättern faszinierte die Ungezwungenheit der Darstellung alltäglicher und intimer Szenen, ihre dekorative Flächigkeit, die mit knappen Mitteln erzielte intensive Ausdruckskraft, die rhythmische Linearität und die leuchtende Farbigkeit. Es waren Schöpfungen des Ukiyo-e, "Bilder der vergänglichen Welt", einer volkstümlichen Kunst, die die Aufmerksamkeit erregt hatten.
Entstehung und Blütezeit der Ukiyo-e-Holzschnittkunst fallen in die Edo- oder Tokugawa-Zeit (1603-1867), eine Periode des Friedens und der Entwicklung eines frühen städtischen Bürgertums. Nach einer langen Zeit heftiger Bürgerkriege und der Zersplitterung des Landes hatte das Geschlecht der Tokugawa um 1600 ein neues zentralisiertes Feudalregime errichtet und Edo, das heutige Tokyo, zur neuen Metropole gewählt. Um die Macht zu festigen und die recht erfolgreiche Tätigkeit ausländischer Missionare zu beenden, schloß sich das Land 1639 fast völlig von der Außenwelt ab.
Lediglich einigen holländischen Kaufleuten, Angehörigen eine Handelsniederlassung auf einer Insel in der Bucht von Nagasaki, gestattete man den Aufenthalt. Im Rahmen der feudalen Ständehierarchie bildete sich mit der Ausweitung der Ware-Geld-Beziehungen in Gestalt der Händler, Geldverleiher, Manufaktur- und Bergwerksbesitzer eine ökonomisch starke frühbürgerliche Oberschicht heraus, die mit eigenen kulturellen Ansprüchen auftrat.
Die Zentren waren anfangs die alte Hauptstadt Kyoto und die Handelsmetropole Osaka, später wurde Edo, der Regierungssitz, neben dem politischen auch der kulturelle Mittelpunkt. Hier entwickelte sich eine eigenständige nationale Kultur, die sich ganz den Sinnesfreuden und Genüssen des Lebens zuwandte.
Man vergnügte sich im volkstümlichen Kabuki-Theater, in den Teehäusern, vor allem aber in den großen Freudenvierteln der Städte.
Yoshiwara, am Stadtrand von Edo gelegen, war das berühmteste. Durch ein großes Tor gelangte man in diesen von Mauern umgebenen und in Gassen eingeteilten Lustgarten mit seinen Pavillons und leicht gebauten "Grünen Häusern", in denen die hochgebildeten Priesterinnen der Aphrodite hinter den Gitterstäben der Loggien saßen: verführerisch schön, in prachtvollen Gewändern, mit kunstvollen Frisuren und umgeben von ihren Dienerinnen, die nach Jahren der Lehre in den Rang von Kurtisanen aufrücken konnten.
Der deutsche Arzt Philipp Franz von Siebold kam 1826 nach Edo und erwähnt in seinen Reiseberichten, daß dort "allein mehr als 5000 durch öffentliche Zettel bekanntgemachte Schönheiten, gegen 80 Teehäuser, eine große Anzahl Gaukler und Gauklerinnen" und Musikanten das ganze Jahr über für Vergnügungen sorgten.
Da der japanischen Geistesgeschichte der biblische Sündenfall fremd war, sah man die Sinneslust als etwas Natürliches an, das man nicht zu verbergen brauchte.
Das änderte sich erst mit den Einflüssen bigotter europäischer Moralvorstellungen in der Mitte des vorigen Jahrhunderts.
Auch käufliche Liebe zählte zum Normalen, und der Besuch "in den Freudenvierteln galt keineswegs als verwerflich, auch nicht für die in der Gesellschaft herrschenden Samurai, nur fehlte es ihnen im Unterschied zu den von ihnen so verachteten Kaufleuten meist an Geld dazu. Wer welches Mädchen aushielt, war stadtbekannt. Aber wehe der Ehefrau, die sich mit einem Liebhaber im Bett ertappen ließ." (J. Berndt)
Im Zusammenhang mit den vielfältigen städtischen Unterhaltungs- und Lustbarkeitsbedürfnissen entstand in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts die antihöfische realistische Holzschnittkunst des Ukiyo-e als ein rein kommerzielles Unternehmen. An der Herstellung waren mehrere Personen beteiligt: neben dem Verleger, der die Manufaktur leitete und Aufträge vergab, Künstler, die die Entwürfe lieferten, Holzschneider, die die Druckstöcke herstellten, und Drucker, die die ersten Abzüge in der Regel im Beisein des Malers ausführten. Anfangs wurde nur schwarz-weiß gedruckt, später handkoloriert, bis man in der Folgezeit dazu überging, zunächst zwei und schließlich eine Vielzahl verschiedenfarbiger Platten übereinanderzudrucken. Um besonders nuancierte malerische Farbreize zu erzielen, bevorzugte man wasserlösliche Farben, die von dem angefeuchteten Papier leicht aufgesogen werden konnten. Von Suzuki Harunobu, der als der früheste Meister des Vielfarbendruckes gilt, erschienen um 1765 die ersten mehrfarbigen Holzschnitte. Schöne Frauen, vorwiegend Kurtisanen, das Leben und Treiben in den Freudenvierteln waren ein Hauptthema der in hohen Auflagen verbreiteten Schöpfungen. In großer Fülle entstanden Führer durch die "Grünen Häuser", Alben mit Bildnissen ihrer anmutigen Bewohnerinnen, die so poetische
Titel wie "Spiegel der Schönheiten" trugen. Daneben wurden Holzschnittbücher mit Darstellungen erotischer Abenteuer herausgegeben, die man als "Shunga" oder Frühlingsbilder bezeichnet. Sie hatten einen hohen Gebrauchswert, dienten sie doch nicht nur als Werbe- und Reklamematerial der Besitzer der Freudenhäuser, sondern zugleich jungen Brautpaaren als Anleitung zu höherem Genuß.
Das Bilderalbum "Vergnügungen der Liebe" (1683) von Hishikawa Moronobu ist eines der ältesten Beispiele. Jeweils auf Doppelseiten spielen sich mit naiver Selbstverständlichkeit bewegte erotische Szenen in der Gemeinschaft und vor Zuschauern ab. Schön geschwungene Linien, reizvolle Ornamente auf den Gewändern und der Bildfläche sowie die ausgewogenen Kompositionen verraten einexzellentes künstlerisches Niveau. Was der Jugendstil der Linienkunst japanischer Holzschnitte verdankt, wird hier besonders deutlich. Die wichtigsten Ausdruckselemente der frühen Schwarz-Weiß-Schnitte, deren Meister Moronobu war, sind dekorative Haltung und Bewegung. Auch auf den Farbblättern Harunobus und der folgenden Künstler bleibt die Physiognomie leer, die Gesichter werden schematisch behandelt. In den heiter gefärbten Bildern spielen die Damen ihre eingeübten Rollen: Sie musizieren auf dem Shamisen, schminken sich, fuhren die neuesten Moden vor, lesen einen Brief des Geliebten oder geben sich ohne sichtbare Gefühle der Liebe hin.
Erst bei Kitagawa Utamaro, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts das Genre zur höchsten Blüte führte, erwachen in den schönen Frauen Gemütsregungen, sie zeigen Zorn und Eifersucht, Koketterie, leise Melancholie, gespannte Erwartung und verzückteLeidenschaft. Utamaro, der genialste Schilderer des Yoshiwara, schuf viele erotische Bücher, Bildnis- und Modealben, Jahrbücher der "Grünen Häuser", eines immer reizvoller als das andere. Seine von künstlerischer Eleganz beherrschten Gestaltungen sind eine einzige Ode an die Liebe und die Anmut der Japanerinnen. Aus den Frauen des Yoshiwara machte er überschlanke ätherische Wesen mit fließenden Bewegungen: kostbare Kimonos und turmhohe Frisuren verleihen ihnen aristokratische Würde. Die charmanten Damen verehrten den Künstler, und auf einer der Abbildungen sieht man ihn in ihrer Mitte im Garten sitzen. "Auf Wunsch hat Utamaro selbst sein elegantes Antlitz hier festge-
halten", lautet die Inschrift des Pfeilers. Von den fünfzehn erotischen Büchern, die man ihm zuschreibt, ist das "Utamakura" (Kopfkissen-Poem) aus dem Jahre 1788 das berühmteste. Auch die delikatesten Szenen mit dem berückenden Spiel der Glieder und leidenschaftlicher Gestik der Akteure gerieten ihm zu höchster künstlerischer Vollkommenheit. Die wachsende Bedeutung der Freudenviertel führte zu einer Massenproduktion erotischer Werke, die - dem offensichtlich vorhandenen Bedarf folgend - sich gegenseitig an Deutlichkeit übertrafen, und so mancher Reisende aus der Provinz brachte als Beweis seines Aufenthalts im Garten der Lüste einen Holzschnitt als Souvenir mit heim. Utamaro hatte viele einfühlsame Nachahmer, wie zum Beispiel Katsukawa Shuncho oder Chokosai Eisho, die aber nicht die gestalterische Freiheit und frische Farbigkeit ihres Vorbildes erreichten.
Nach 1800 entstand zu diesem Thema nicht mehr viel Originelles, die Kompositionen nahmen mehr und mehr einen stereotypen Charakter an. Mit dem Einfluß abendländisch-christlicher Vorstellungen kam es Mitte des 19. Jahrhunderts zu strengen Zensurbestimmungen, in deren Folge in Japan jede Art von erotischer Kunst und Literatur für ein Jahrhundert unterdrückt und verpönt wurde.Ursula Horn

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